Wer seid ihr? Seit wann gibt es euch?
Im Jahr 2021 begannen wir in Rehfelde (MOL) mit dem Aufbau des Familienzentrums, das in einem ehemaligen Jugendclub entstand – zuvor ebenfalls in Trägerschaft unseres Vereins KulTuS e.V. Während der Corona-Pandemie zog sich der Transformationsprozess etwas in die Länge, doch im Sommer 2023 feierten wir schließlich die offizielle Eröffnung.
Heute bietet das Haus vielfältige soziale Angebote: Kurse, Bildungsprogramme, Sport- und Kulturveranstaltungen sowie Gemeinwesenarbeit. Besonders freuen wir uns über die aktive Beteiligung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer*innen.
Hinter dem Familienzentrum steht KulTuS e.V., ein gemeinnütziger freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der mit zahlreichen weiteren kulturellen und sozialen Angeboten vor allem in Märkisch-Oderland aktiv ist.
Was macht ihr in eurer Arbeit?
Unser Familienzentrum ist ein offener Raum der Begegnung, geprägt von Vielfalt, Solidarität und einem respektvollen Miteinander. Menschen jeden Alters, unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituation können hier zusammenkommen, sich austauschen, voneinander lernen und gemeinsam aktiv sein.
Unsere Angebote decken ein breites Spektrum ab: vom offenen Beratungsangebot für Familien, über wöchentliche Gruppen wie Krabbelgruppen, Familiencafés, Aerobic- und Zumba-Kurse für Kinder und Erwachsene, Kindertanzen, Dart-Training, Medien-AG in Kooperation mit der Grundschule, Hebammen-Rückbildungskurse, bis hin zu Handarbeits- und Nähgruppen. Am Freitagnachmittag betreiben wir das ehrenamtlich organisierte
Café REH, das ein Teil unserer Gemeinwesenarbeit ist.
Darüber hinaus veranstalten wir regelmäßig kulturelle und gemeinschaftliche Events: Kindertheater, Kinder- und Familienfeste, Konzerte, Liedermacherabende, Zaubershows, Teenie-Discos, Repair-Cafés, Flohmärkte, „Mama geht Tanzen“ und vieles mehr – vieles davon ehrenamtlich organisiert und unterstützt. Jüngstes Projekt ist der Bühnenrat Rehfelde, der gemeinsam Bühnenprogramme plant und als Höhepunkt ein kleines Demokratiefestival im Sommer 2026 durchführen wird.
Unser Familienzentrum möchte durch diese Arbeit nicht nur Begegnung ermöglichen, sondern auch Werte vermitteln: Wir setzen uns aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus, Trans- und Homophobie, Sexismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ein. Vielfalt betrachten wir als Stärke und möchten eine inklusive, solidarische und gerechte Gemeinschaft fördern.
An welcher Stelle hat rechte Politik jetzt oder in der Zukunft Einfluss auf eure Arbeit bzw wie seid ihr betroffen?
In unserer Gemeinde erleben wir immer wieder rechte, rassistische und menschenfeindliche Vorfälle: migrantisierte Personen werden angefeindet, es kommt zu Beleidigungen, Sachbeschädigungen und sogar tätlichen Angriffen. Auch Hakenkreuz-Schmierereien, rechtsextreme Aufkleber und die Präsenz einer rechtsextremen Partei in der Gemeindevertretung sind Ausdruck dieser Entwicklungen. Auf unser Familienzentrum hat dies bereits direkte Auswirkungen: Es kam zu mutmaßlich querfeindlichen Sachbeschädigungen, und unsere klare Position für eine offene, inklusive und vielfältige Gesellschaft stößt auf Ablehnung.
Als freier Träger der Jugendhilfe sind wir auf finanzielle Zuschüsse der Gemeinde angewiesen. Eine Verschiebung der politischen Mehrheiten, etwa durch eine stärkere extrem rechte Fraktion, könnte die Mittel künftig kürzen oder unsere Arbeit anderweitig erschweren. Zielrichtung rechts- bzw. extremrechter Kräfte ist es, Zivilgesellschaft zu schwächen und Demokratieinitiativen durch parlamentarische Anfragen oder öffentliche Diskreditierung zu behindern. Beispiele aus anderen Kommunen, wie Fürstenwalde (MOL), zeigen, dass bereits heute Fördermittel für freiwillige Aufgaben gekürzt werden, was auch Einrichtungen wie unsere betrifft.
Besonders besorgniserregend ist die Perspektive auf eine AfD in Regierungsverantwortung in Brandenburg: Wir beobachten bereits, dass die Partei das sogenannte Neutralitätsgebot gezielt zweckentfremdet bzw. missbraucht, um gegen Vereine, Initiativen und freie Träger vorzugehen, die sich für eine offene und demokratische Gesellschaft einsetzen. Sollten die rechts- bzw. extremrechten Kräfte mehr politische Macht erhalten, ist zu erwarten, dass sie die Zivilgesellschaft massiv stören, Vereine über Fördermittel oder andere Maßnahmen schwächen oder gar zerstören. Dies könnte auch den Träger unseres Familienzentrums, den Verein KulTuS e.V., betreffen. Dies würde nicht nur das hauptamtliche Engagement erheblich beeinträchtigen, sondern auch einen großen Teil des ehrenamtlichen Engagements gefährden – also genau den gesellschaftlichen Kitt, der durch die aktive Beteiligung von Bürger:innen entsteht. Viele Initiativen, Projekte und Angebote, die heute als zentraler Bestandteil des Zusammenhalts und der Lebensqualität in unserer Gemeinde wirken, würden an Bedeutung verlieren. Besonders im sozialen und kulturellen Sektor, der ohnehin oft unter Druck steht, wäre dies ein gravierender Einschnitt.
Was wünscht ihr euch in 5 Jahren für eure Arbeit?
In fünf Jahren wünschen wir uns, dass unsere Arbeit auf gesicherten finanziellen Füßen steht, sodass wir nicht in die Situation kommen, als Bittsteller:innen vor Mittelgeber:innen auftreten zu müssen. Wir hoffen, dass es rechtsextremen Akteur:innen nicht gelingt, Ideologien von Ungleichheit in der Bevölkerung weiter zu verankern, und dass unsere Haltung als offenes Haus für alle ausstrahlt und vielleicht Nachahmer:innen findet.
Wir möchten noch stärker in der Gemeinde wirken, zum Beispiel durch das geplante Demokratiefestival des Bühnenrats, bei dem wir auf rege Beteiligung verschiedener Initiativen aus Rehfelde hoffen. Solche Projekte sollen fortbestehen und nachhaltig wirken, auch über die aktuell befristete Mikroförderung hinaus, die im Sommer 2026 endet.
Ein zentraler Wunsch ist auch, die Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien weiter auszubauen – von Bildungs- und Sportangeboten über Kulturveranstaltungen bis hin zu offenen Beratungs- und Begegnungsangeboten. Damit diese Arbeit Wirkung zeigt, ist ein gutes, solidarisches Miteinander in der Gemeinde entscheidend. Wir wünschen uns ein Klima, in dem Menschen Diskriminierung erkennen, benennen und ablehnen, demokratische Werte geachtet werden und solidarisches Engagement gestärkt wird. So können unsere Angebote langfristig die Entwicklung junger Menschen fördern und das gesellschaftliche Zusammenleben positiv gestalten.
